2010-Fehler – Fluch oder Segen?

Wer hat es noch nicht in der Presse mitbekommen oder ist sogar selbst betroffen! Ein gigantischer Fehler hat sich auf Millionen von EC- und Kreditkarten eingeschlichen. Seit dem 01.01.2010 werden viele Zahlungen nicht akzeptiert und es sind Notlösungen geschaffen worden.
Aber es hat nicht nur Kreditkarten etc. “erwischt”, sondern auch mobile Telefone, Spam-Filter, EMail-Anbieter und sogar Straßenbahnen sind davon betroffen!

Wie kann das sein? Und warum ist beim Jahrtausendwechsel 2000 so etwas nicht passiert? Fragen über Fragen, die sich jeder stellt.
Die verantwortlichen Firmen jedenfalls geben derzeit so gut wie nichts über die Ursachen bekannt, sondern suchen nur nach Lösungen.

Nun gut, ich als Programmierer habe mir natürlich auch Fragen gestellt. Und zwar zunächst eher in die “technische” Richtung.

Gehen wir ein Stück zurück in die Geschichte. Und zwar bis zum Jahrtausendwechsel. Millionen von Programmen mussten “fit” gemacht werden für das Jahr 2000 und danach. Was wurde damals für ein Aufwand betrieben und warum? Viele der Grosssysteme von Banken, Versicherungen usw. hatten zu diesem Zeitpunkt die Jahreszahlen noch nicht 4-stellig abgespeichert. Dies begründete sich daraus, dass früher Speicherplatz auf
den Systemen knapp bemessen war und man sich durch das Speichern der Jahreszahlen als 2 Stellen viel Platz eingespart hatte.
Heute spielt so etwas keine oder nur eine untergeordnete Rolle.
Das Problem war also eine Änderung von 2 auf 4 Stellen, denn wenn es beim Jahreswechsel zur Jahreszahl 00 kam, wurde diese  als 1900 interpretiert, was natürlich katastrophal gewesen wäre. Man kann sich vorstellen, dass sich eine solche Änderung durch viele Millionen Systeme zieht und daher extrem aufwändig ist. Nun haben sich wohl in einigen Systemen Programmierer eines Tricks bedient, um den Aufwand zu minimieren.
Anstatt die Zählweise von zwei- auf vierstellig zu ändern, haben sie einfach das Zählfenster auf den Jahreszeitraum 1910 bis 2009 (10 bis 09) verschoben.
Sie haben die Datumsberechnungen einfach verändert. Das war zeit- und kostengünstiger, als alle Datumswerte zu ändern.
ABER: Danach haben sie schlichtweg vergessen, den Zeitraum erneut weiterzudrehen. Dies gilt zwar nur für System, die älter als 10 Jahre sind,
aber viele der Grosssysteme sind es bis heute noch! Das ist eine mögliche Erklärung.

Im Falle der Spam-Filter wurden Millionen von Emails, die aus 2010 stammen, als Spams eingestuft, weil sie das Jahr 2016 tragen und damit in der Zukunft liegen und somit als Spams einzustufen sind. Wie geht das denn?

Nun, in der Datenverarbeitung wird seit Jahren das sogenannte Hexadezimalsystem für die Datenbearbeitung genutzt.
Hierbei werden neben der Verwendung der Ziffern von 0 bis 9 noch zusätzlich die Buchstaben von A bis F verwendet.
Die Nutzung dieser 16 Zeichen bedeutet aber, dass die 10 im Hexadezimalsystem in der allgemeingebräuchlichen Binärzählweise als 16
ausgegeben wird. Testen Sie es selbst über den Taschenrechner von Windows, indem Sie ihn auf “wissenschaftlich” einstellen.
Dann haben Sie auch die Möglichkeit, in “Hex” rechnen zu lassen.

Es ist natürlich derzeit unklar, ob dies wirklich die Ursachen sind, da ja nichts offiziell bekannt gegeben wird, aber der australische “Sydney Morning Herald” berichtet über Probleme bei der Zahlungsabwicklung zwischen Einzelhändlern und Banken. Dort würden die Systeme ebenfalls annehmen es wäre das Jahr 2016. Also kann dies schon eine mögliche Ursache sein.

Dies sind natürlich alles nur Mutmassungen, aber ich glaube, dass hier schon mögliche Ursachen begründet liegen.

Warum aber der Titel “Fluch oder Segen”?
Nun, beim Jahrtausendwechsel wurden Milliardenbeträge investiert, um einen reibungslosen Wechsel ins neue Jahrtausend zu gewährleisten. Hier wurde intensivst entwickelt und getestet. Jetzt hat man den Anschein, dass die Einführung der neuen Chips/Software recht “lasch” durchgeführt wurde.
Eigentlich unverständlich, wenn man bedenkt, welche Auswirkungen dieser Fehler hatte.

Der Segen könnte natürlich sein, dass man in Zukunft wieder verstärkt Qualitätssicherung betreibt, was bedeutet, dass Testszenarien, die wirklich in alle Richtungen mögliche Problemstellungen durchtesten, in verstärktem Maße zum Einsatz kommen. Solche Testverfahren sind natürlich zeit- und kostenintensiv und schmälern damit auch die “Marge” der Unternehmen, aber in höchstem Maße notwendig.

Der Fluch hierbei ist natürlich – neben dem Ärger, den jeder Einzelne damit hatte – dass irgendjemand am Schluss die “Zeche” zahlen muss.
Und man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, wer das sein wird. In welcher Form auch immer!

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